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Unsere Welt ist verdammt heiß

Berlin Country Club – es muss 1989 gewesen sein, oder? Auf jeden Fall war Ronald Reagan noch amerikanischer Präsident und die einzige Lösung, den Fall des amerikanischen Reiches zu stoppen, schien ein Masterplan, der „Made in Heaven“ genannt wurde. Nur der CIA, das FBI und der KGB waren eingeweiht.

Fünf handverlesene Musiker, sorgfältig ausgesucht für diese gefährliche Mission, sind ausgezogen, um gegen den übermächtigen Feind angetreten. Und der Feind hat seine Schergen an diesem Abend in den Berlin Country Club geschickt. Getarnt als Fernfahrer und Bankmanager in Holzfäller-Hemden, mit ihren in Petticoats und Spitzenhöschen gekleideten Mädchen an ihrer Seite, träumen sie von den Zeiten, als Johnny Cash Rick Rubin noch nicht kannte. Und dann beginnt der Kampf – live auf der Bühne des Berlin Country Club.

Ein erster schneller Jab mit „Fucking in the White house“ findet sofort sein Ziel und hinterlässt schmerzvolle Spuren. Der mächtige Gegenschlag wird gekonnt mit einer messerscharfen Version von „Crazy About Kinski“ abgewehrt. Gleichstand nach Punkten. Aber ein Unentschieden ist kein Sieg, und nur der Mutige kann sich Champion nennen. Die Band zieht nun ihr letztes As aus dem Ärmel, die brillante Hymne „No One’s Got an Asshole like a Cowboy“ – und gewinnt den Kampf durch einen klassischen Knockout! Jetzt nur schnell raus hier und die Wunden lecken.

Die Band verlässt Berlin noch in der Nacht in Richtung Osten mit einem Koffer voller Ost-Mark. Dorthin, wo bisher nur Pink Floyd gesungen hatte. Kurze Zeit später fällt die Mauer zwischen Ost und West. Die Mission war endgültig geglückt.

Jetzt – 25 Jahre später – wird diese Band wieder gebraucht. Diesmal, um die Welt zu retten. Der neue Code heißt „World2Hot“!

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Cliff Barnes and the Fear of Winning – und das World2Hot-Projekt
In der Musikgeschichte gab es noch nie ein Album, das Co2-neutral aufgenommen wurde. Musiker verbrauchen ganz selbstverständlich jede Mende Strom, sowohl live als auch im Studio. Konzerte und Tourneen belasten die Umwelt extrem. Mit diesem Album wollten wir jedoch eine Brücke zwischen Kunst und Umweltschutz schlagen, mit dem Ziel, während der Produktion eine möglichst geringe Co2-Belastung zu generieren. Wir wollten zeigen, dass ein geringer Energieverbrauch keine negativen Auswirkung auf das musikalische Ergebnis hat. Dabei wollten wir nicht wie ein Eremit in einer Berghöhle leben, sondern die Energie klüger einsetzen.

Unser eigenes Studio ist energieautark durch Photovoltaik. Wir haben sogar Spuren mit unserem Pedal Power System aufgenommen, bei dem Fahrräder zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Der finale Mix dieser Aufnahmen wurde in einem Studio vollzogen, das eine Wassermühle besitzt, die zur Energiegewinnung eingesetzt werden kann. Viele Gastmusiker auf der ganzen Welt haben bei sich zuhause ihre Song-Beiträge aufgenommen und sie uns per Internet zugeschickt, was ebenfalls die Co2-Bilanz des Projektes verbessert. Kein Musiker musste Auto oder Flugzeug benutzen, um Teil dieses Projektes zu werden.

Eine hundertprozentige Umweltfreundlichkeit können auch wir nicht garantieren – aber darum geht es auch gar nicht. Sondern nur darum, Energie ganz bewusst einzusetzen – oder eben nicht einzusetzen. Dieser Ansatz funktioniert übrigens nicht nur bei Aufnehmen von Musik, sondern auch zu Hause, beim Job und in der Freizeit. Unsere Welt erholt sich nicht von alleine, wir müssen ihr ein wenig von dem zurück geben, was sie uns immer bereitwillig gegeben hat…!

Aber wie soll das funktionieren? Was ist der Philosophie hinter „World2Hot“?
Die Idee ist einfach. Wir leben in eine Gesellschaft, die auf ständigen Wachstum aufgebaut ist. Jeder will mehr als das eigentlich Notwendige besitzen. Ohne Sinn und Verstand sollen wir kaufen, nur um den Durst nach Wachstum zu stillen. Wir sollen Umsätze generieren, um den Einsturz unseres wirtschaftlichen Kartenhauses zu verhindern. Doch der Verlierer ist unser wunderschöner und einzigartiger Planet.

Unsere Philosophie ist durchaus radikal, denn wir sagen, dass jeder einzelne Verantwortung übernehmen muss. Indem er z. B. nur das, was er wirklich braucht, kauft. Jeder einzelne muss aufhören Zeit, Ressourcen, Geld und natürlich Energie an das Märchen Wachstum zu verschwenden. Das alles klingt wie ein Hippie-Mantra, und das soll es auch sein.

Copyright - Manfred Pollert

Copyright – Manfred Pollert

Ride my Bike
Ein Weg von vielen in die richtige Richtung stellt für uns das Fahrrad dar. Wir haben in den letzten Jahren viel mit Fahrrädern gearbeitet. Wir haben Konzerte und Tourneen veranstaltet, zu denen die Leute nicht nur mit Fahrrädern hingekommen sind, sondern wo auch der Strom mit Fahrrädern, unserem so genannten Pedal Power System, produziert wurde. So waren Konzerte an abgelegenen, besonderen Orten möglich, fernab das Stromnetzes. Wir haben ganze Festivals veranstaltet, die 2012 Preisträger des Deutschen Fahrradpreises geworden sind. Mehr Fahrrad bedeutet weniger Auto. Und das ist gut.

Copyright - Manfred Pollert

Rock´n´Roll
Aber keine Angst, wir haben unsere Art von Rock´n´Roll nicht gegen Umweltschutz-Songs eingetauscht! Immer noch erzählen wir unsere Geschichten von schrägen Typen, und immer noch singen wir Songs über die Liebe. Denn die ist der Ursprung allen Lebens, dank ihr dreht sich unser Erdball immer noch. Wir sind also immer noch die Erzähler, die mit ihren Geschichten die Seelen der Fans erreichen. Doch es geht in dem neuen Song-Material auch um ganz handfeste Dinge – neben den vielen eigenen Storys, die das Album bereit hält. Eben um die Verbindung zur Umwelt. Wenn auch alle anderen diese Verbindung kappen – für uns wird sie immer wichtiger.

Zurück in die Zukunft
Zum Schluss ein Blick zurück: Cliff Barnes and the Fear of Winning haben seit der Gründung in 1986 sieben Alben veröffentlicht und sich mit ca. 400 Konzerten in die Herzen der Fans gespielt. Eins dieser Alben war die erste Kooperation eines westdeutschen mit einem ostdeutschen Label überhaupt und erschien 1989 auf KPM Records nur in der DDR. Danach – siehe oben! – fiel die Mauer. Dann spielten sie unter dem Pseudonym Illegal Artists 1993 eine bemerkenswerte CD in Austin/TX ein („Songs for Weddings and Funerals“), 2001 erschien das in Malta produzierte Album „Godsatwork“. Und jetzt scheint die Zeit reif für eine weitere Mission, denn unsere Welt ist verdammt heiß. World2Hot!

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Copyright – Manfred Pollert

Cliff Barnes and the Fear of Winning sind:
Bob Tijuana Giddens – vocals
Henry Rebellius – guitars, bass
Marcus Praed – guitars, keyboards

World2Hot wurde realisiert mit der Hilfe von:
Lars Plogtschies – drums
Susan Voelz – violin, vocals
Martin Huch – pedal steel
Martin WahWah Schmeing – keyboards
Tommy Schneller – sax
Gary Winters – trumpet
Dieter Kulmann – trombone
Felix Holzenkamp – percussion
Camille Bloom – vocals
Harry Schuler – vocals
Mike Stewart – bass, additional production

Kontakt:
www.cbatfow.com
Phone: 0151 11652024